Flag Counter
Geöffnet von Hubert Klühe am 13.02.2009 Hochseefischer-Backskiste
1. Reise ATB Super
HOCH WEITER ZURÜCK
Meine erste Reise mit der ATB Supertrawler Die ATB S war Mitte Januar nach Luande geflogen, hat dort das FVS ROS 309 übernommen und ist dann zur Fischerei nach Namia ausgelaufen. Schon in Berlin hatte die Schiffleitung festgestellt, das der E-Ing. und ein E-Assi nicht zum Einsatz gekommen waren. An Bord hatten sie nur den E-Assi Udo. P. dabei. Drei Kollegen waren aber für den Schichtbetrieb an Bord notwendig und man forderte zum nächsten BA von der AKL See zwei Mann E-Personal an. Die AKL hatte keinen E-Ing. in Reserve. Der vorgesehene E- Ing Wolfgang S. war wegen einem Verkehrsunfall seiner Frau nicht mitgeflogen, er mußte seine 3 Monate alte Tochter versorgen. Karli Berger in der AKL löste dann mit dem schon beschriebenen Telegramm an mich meine schnelle Kündigung im SKET und den Einsatz in der ATB aus. Mit gemischten Gefühlen (kribbeln im Bauch) bin ich am 07.03.1978 zum Flugplatz nach Schönefeld gefahren. Zum einen war es mein erster Flug und zum anderen war es die Erwartung der Aufgaben auf FVS und Supertrawlern, die ich ja von der ersten Seefahrtzeit nicht kannte. Mit der Besatzung von ROS 309, die nach der Freizeit wieder zum Einsatz kam, flogen drei Leute für die ATB nach Luanda mit, die Funkerin Margitta B., der E-Assi Arno Z. und ich. Vor dem Flug wurden wir noch vom Flughafenarzt gegen Cholera geimpft. Das hatte unsere Einsatzleitung mit dem Flughafen bei allen Flügen organisiert. Darum brauchten sich die Kollegen in ihren Freizeiten zu Hause nicht kümmern. Der Flug mit einer IL 62 der Interflug ging von Schönefeld mit Zwischenlandungen in Algier und Lagos nach Luanda in Angola. Film von der Zwischenlandung in Lagos Beim Abflug sieht man im Film die vielen Schiffe auf der sehr gefährlichen Reede von Lagos, die auch heute noch von Piraterie beherrscht wird. Die IL 62 stand zur Abfertigung vor diesem Flachbau. Unüblich war, das wir beim Auftanken der Maschine nicht mal aussteigen mußten. Bei späteren Zwischenlandungen mußte man beim Tanken in das Gebäude gehen und konnte dort Souvenirs kaufen. Bei einer der nächsten Zwischenlandungen habe ich mir dort für 10 $ das erste Souvenir gekauft. Wir bekamen pro Flug 20 $ Bewegungsgeld in bar. Bei späteren Zwischenlandungen wurden wir in den Transitraum des neuen Terminals geleitet. Der ehemalige Storekeeper Peter K. von ROS 337 wird sich noch gut daran erinnern. Auch dort wurden Souvenirs verkauft. Das neue Terminal wurde am 15. März 1979 in Betrieb genommen. Gebaut wurde es vom Bauingenieur Erwin Steiauf im Auftrag der Strabag. Als Eröffnungsgast wurde der damalige deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt eingeladen. MURTALA MUHAMMEO AIRPORT LAGOS Im Hafen von Luanda fand der Besatzungsaustausch statt. Die Stammbesatzung von ROS 307 hatte auf dem Fangplatz ihr Schiff an die ATB übergeben und war mit ROS 309 nach Luanda gefahren. Bevor ROS 309 in Luanda auslaufen konnte war noch eine Reparatur notwendig, die Kubanische Taucher ausführten. Die Schwanzwellen Dichtung der Schffsschraube wurde erneuert. Danach liefen wir am 08.03.1978 in Richtung Namibia aus. Die Fahrt zum Fangplatz dauerte etwa vierTage. Am Ankunftstag hatte die ATB den nächsten BA mit ROS 332. Ein Z-Trawler der auf dem Fangplatz als Hilfsschiff eingesetzt war hatte die Nachkömmlinge für ATB übernommen und sollte uns auf ROS 332 abliefern. Per Funk orderte der LTO der ATB meinen Bedarf auf ROS 307 an und das Schlauchboot des Z-Traulers brachte mich dort hin. Die Fischvorkühlung ließ sich nicht mehr einschalten und diesen Zustand wollte der LTO nicht übergeben. Man vermutete den Fehler im Translog System der Steuerung und hatte schon diverse Bausteine ohne Erfolg ausgetauscht. Ich ließ noch zweimal einschalten, dabei war das Einschalten des Leistungsschalters für den Kälteverdichter deutlich zu hören, aber er fiel immer sofort wieder aus. Ich schaute mir den Schalter an und stellte fest, das die Einstellschraube der Überstromauslösung nicht mehr mittels Farbe gesichert war, d. h. es hatte schon mal jemand daran gedreht. Ich stellte die Auslösung etwas straffer ein und der Schalter funktionierte nun. Der LTO, Peter Kiesling konnte die Anlage störfrei übergeben und ich hatte bei ihm den ersten Pluspunkt. Nach dieser Aktion fuhren wir per Schlauchboot zu ROS 332 und der BA war bald beendet. Die meisten Ressort Leiter hatten vor der ersten Übernahme von Supertrawlern an kurzen Einweisungsreisen auf ROS 331, dem ersten Supertrawler des Fischkombinates teilgenommen. Ich befasste mich die ersten Wochen auf dem Schiff neben dem Wachbetrieb mit den umfangreichen Unterlagen der verschiedenen Hersteller der E-Anlagen. Alle auftretenen Störungen konnten behoben werden. Auch an die für mich neue Besatzungsstärke (3 Frauen und 97 Männer) hatte ich mich schnell gewöhnt. Die Verflegung war sehr gut. Täglich frische Brötchen, mittags zwei Wahlessen. Donnerstag und Sonntags hat der Bäcker Kuchen gebacken. Obwohl man mich in der FVS Flotte nicht kannte und ich vormals nur auf kleineren Schiffen gefahren bin, bekam ich in der Besatzung keine Probleme. Mittags nach Wachende nahm ich eine Campingliege suchte mir einen Platz auf der Back (Vorschiff). Man nannte den Platz wegen der Farbgebung auch Grüne Wiese. Dort sonnte man sich und kam mit Kollegen ins Gespräch. Einer sagte: “Haben wir es hier nicht gut, andere müssen für so etwas viel Geld bezahlen.“ Einen provisorischen Pool mit fießendem warmen Seewasser gab es auch. Udo P. der E-Assi, der sieben Wochen lang im 24 Stunden Dienst alle E-Störungen behoben hatte, erholte sich von diesem Stress und wurde zur Auszeichnung als Aktivist vorgeschlagen. Später machte er im Studium auf der Betriebsakademie seinen Elektromeister. Rückblickend habe ich damals den Schritt nochmal zur See zu fahren nie bereut.
© by Kenneth Iwelumo © by H. Klühe
Im Film sind Szenen im Hafen von Luanda und der Ankunft am Fangplatz Namia zu sehen. Am Ende des Filmes ankern wir in der Tigerbucht und warten auf neue Lizenzen. Die Tanker sparten dort Liegegebühren der Schiffe.Wegen der damals noch unklaren, politschen Verhältnisse an der Küste war das noch möglich.