Geöffnet von Hubert Klühe am 13.02.2009 Hochseefischer-Backskiste
Beginn zweite Seefahrtzeit
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Beginn meiner zweiten Seefahrtszeit im Fischkombinat Rostock Die erste Zeit endete 1976 mit meiner Arbeitsaufnahme im Wasserstraßenbau Magdeburg. Der Betrieb hatte etwa 500 Mitarbeiter, 200 in der Verwaltung und 300 in der Produktion. WSB Magdeburg war verantwortlich für die Bereiche Elbe (Bad Schandau bis Boizenburg), Mittellandkanal zwischen Zonengrenze und Magdeburg sowie einem Teil des Elbe-Havel Kanals. Meine Tätigkeit war interessant, abwechslungsreich und es herrschte im Betrieb ein gutes Arbeitsklima. Verantwortlich war ich im Betrieb für die Instandhaltung der E-Anlagen der Flotte sowie der E-Anlagen an Land. Zur Flotte gehörten Bagger, Spüler, Schuten und Schlepper. Ich erinnere mich noch gern an Dienstreisen zu den Baustellen und zu den Binnen-Werften. Dort hatte ich wieder Dieselgeruch in der Nase und konnte meine maritimen Erfahrungen gut anwenden. Wie es aber in jungen Jahren war, man strebte nach Veränderung und wollte schneller mehr Geld verdienen. Angestachelt hat wohl auch der damals allgemein übliche Satz: „Wenn Du als junger Ingenieur weiter kommen willst, musst Du mehrmals die Firma wechseln!“ Die Begründung dafür war folgender Umstand. Wollte ein Betrieb eine neue Planstelle einrichten oder eine freie Planstelle mit einer Neueinstellung besetzen, so kamen die Gehaltsmittel dafür aus dem Fond der Betriebsleitung. Die Abteilungsleiter setzten dann oft das Gehaltsangebot höher an, als das Gehalt schon länger beschäftigter Mitarbeiter in der Abteilung. Dem Abteilungslohnfonds wurde dabei nichts weg genommen, aber der neu eingestellte Mitarbeiter kam dann in der nächsten Zeit (Jahre) für Gehaltserhöhung nicht mehr in Frage. Mit diesen Aussichten suchte ich dann Anfang 1977 nochmals eine besser bezahlte Tätigkeit. Nach einer telefonischen Erkundigung über ein Stellenangebot, das ich auf ein Zeitungsinserat erhalten hatte, bewarb ich mich im VEB SKET Magdeburg als Projektierungsingenieur für Werksanlagen. Ab Mai 1977 war ich dann dort tätig. Kurz nach meiner Einstellung bezog unsere Hauptabteilung ein neues Bürogebäude. Der Gruppenleiter der E-Abteilung, Klaus M., nahm mich zur Einarbeitung unter seine Fittiche und ich bekam einem Platz in seinem Büro. Er war ein sehr versierter, erfahrener Projektierungsingenieur von dem ich fachlich und menschlich viel gelernt habe. Sein Leitungsstil schaffte eine gute Arbeitsatmosphäre und ein gutes Klima in der Arbeitsgruppe. Im Herbst 1977 kam ich eines Tages nach Feierabend zu Hause in Schönebeck-Elbe an und meine Frau empfing mich mit den Worten: „Kennst Du einen Karli Berger aus Rostock?“ Natürlich kannte ich Karl Berger, er war in der AKL See des Fischkombinates für den Einsatz der Technischen Offiziere auf den Schiffen zuständig. Karli hatte einen Kollegen, der in Schönebeck oder in der Nähe wohnte, bei uns vorbei geschickt und bestellen lassen, es werden dringend E-Ingenieure für die neuen Supertrawler gebraucht. Wenn ich Interesse an einer Wiedereinstellung hätte, sollte ich mich schnellstens in Rostock bewerben. Der Familienrat tagte, Vor- und Nachteile der Seefahrt wurden abgewogen und am Ende kam die Startfreigabe zur Bewerbung. Bedenken hatte ich als Brillenträger nur vor der wieder fälligen Seetauglichkeitsuntersuchung. Bekam ich die Tauglichkeit nicht, wäre ein neuer Beginn der Seefahrt nicht möglich. Ohne diese Gewissheit wollte ich das Bekanntwerden meiner Seefahrt Bewerbung im SKET unbedingt vermeiden, es sollte nicht so aussehen als suche ich schon wieder eine neue Stelle. Ich schrieb die Neubewerbung an das Fischkombinat am 04. Oktober 1977 und setzte ans Ende folgende Bitte: Vollständige Bewerbung Antwort Kaderleitung 18.10:1977 Antwort Kaderleitung 19.10.1977 Kopie aus der Kaderakte, der Strich am letzten Satz, zeugt zwar von Kenntnisnahme in der Kaderleitung, aber es kam doch anders … Einige Tage nach Absenden der Bewerbung kam ich zum Arbeitsbeginn ins Büro und beim Morgenkaffee fragte mich Klaus M.: “Na, es soll wieder auf See gehen?“ Da wusste ich meine Bitte war nicht akzeptiert worden und nun war meine Absicht im SKET bekannt. Der Abteilungsleiter war verständlicher Weise sauer. Denn ein gerade eingearbeiteter Mitarbeiter wollte nun wieder gehen. Die Bearbeitungszeit der Bewerbung wurde von der Kaderleitung mit 10 bis 12 Wochen angekündigt. Anfang Februar 1978 hatte ich noch keine Nachricht und dachte die Sache mit der Seefahrt ist für mich erledigt. Am 15. Februar bekam ich dann plötzlich ein Telegramm. Der Text lautete: Am 27.02.78 nach Rostock zur Seetauglichkeit Untersuchung kommen, Seefahrtsbuch abholen, Heuerschein unterschreiben und am 07.03.1978 für einen ATB Einsatz nach Luanda fliegen. Ich war erst einmal geschockt und nun sollte ich gleich nach Afrika fliegen. Mit dem Telegramm ging ich im SKET zum Abteilungsleiter und beantragte einen Aufhebungsvertrag. Der Abteilungsleiter sagte mir ich hätte als Angestellter eine Kündigungsfrist von 4 Wochen und die müssen eingehalten werden. Nun ging ich zum Hauptabteilungsleiter, Arno Ehrt und trug ihm mein Anliegen vor. Zu meiner Überraschung wurde ich von ihm zum Thema Fischkombinat Stützpunkt Havanna befragt. Arno Ehrt war drei Jahre Stützpunktleiter für SKET in Havanna und dort bestanden gute Beziehungen zum Hilfsschiff „Robert Koch“ und auch zu Schiffen der Seereederei. Das Gespräch endete mit der Genehmigung des Aufhebungsvertrages und den Worten:“Junge fahr raus so oft du kannst, die Auslandserfahrung kann dir keiner mehr nehmen.“
Von den Kollegen der E-Projektierung bekam ich beim Abschied ein Kartenspiel geschenkt. Die Technische Zeichnerin Marion hat den Wunsch mit der damals üblichen Normschrift geschrieben.