Geöffnet von Hubert Klühe am 13.02.2009 Hochseefischer-Backskiste
TV Sendung 1970
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Zubringertrawler "Hanno Günther" ROS 403 in der DDR TV-Sendung "Mit dem Herzen dabei" am 02. Mai 1970
Anfang April 1970 kam das FVS ROS 312 "Bodo Uhse" von Rostock kommend auf dem Fangplatz an, brachte Ausrüstung und Post für die Flotte mit und hatte ein FS-Team an Bord, das eine Reportage über die Fischerei drehen wollte. Das Team bestand aus Moderator, Tontechniker und Kameramann. Da auf ROS 403 die Reportage beginnen sollte, wurde das Team mit seiner Ausrüstung übernommen und es begannen die Dreharbeiten. Am anderen Tag kam die Order, dass ROS 403 eine Postboje (es war ein richtiges Seezeichen) auffischen soll. An der Boje war ein Netz befestigt mit 21 Fischdosen. Der Inhalt der Dosen klapperte und auf den Etiketten stand: "Zu Öffnen auf ROS 312 ". Jeder von uns bekam eine Dose. Im weiteren Verlauf ging ROS 403 längsseits an Ros 312 und wir stiegen als Gäste über. In der Messe wurden wir bewirtet und öffneten unsere "Fischdosen". Der Inhalt der Dosen bestand aus 7 Schlüsseln mit Anhänger und einem Anschreiben. Darin stand, dass wir Gäste der TV-Sendereihe "Mit dem Herzen dabei" sind und dazu vier Tage nach Dresden eingeladen werden. Jeder Schlüssel entsprach symbolisch einem Ereignis und der "Bordschlüssel" sollte sofort Verwendung finden. Wir wurden dazu in einen Raum geleitet in dem ein Monitor, ähnlich einer Musikbox stand. Das Gerät wurde angeschaltet, der Monitor flackerte und man hörte Klingelgeräusche. Plötzlich sagte Kapitän Volker Zirzow: " Das war doch eben mein Türgong in der Wohnung!" Auch andere Kollegen erkannten nun ihre Haustür Klingeln. Der Kapitän drehte nun als erster am Bordschlüssel. Ein Film lief an und man sah seine Wohnung und seine Frau und Kinder grüßten ihn und wünschten eine gute Heimreise. Genaue Einzelheiten der Kurzfilme aller Besatzungsmitglieder weiß ich natürlich nicht mehr. Als ich an der Reihe war, sah ich unsere elterliche Wohnung, meine Stiefmutter grüßte mich im Namen aller Verwandten, wünschte auch alles Gute. Die Szene wechselte und plötzlich sah ich meinen Freund Otto in seiner Wohnung. Er war jung verheiratet und seine Frau Inge und er grüßten mich ebenfalls und hielten stolz ihren kleinen Steffen ins Bild. Weiterhin sah man Otto mit einem in dieser Zeit oft ausgeführten Hobby. Er baute eine große Windmühle aus "Riesaer Zündhölzer". Nach dem wir wieder auf unserem Schiff waren, wussten wir nun was das Fernsehteam für offizielle Aufgaben hatte. Die Sendung sollte am 02.05.1970 stattfinden, aber da unser Betrieb Plan Rückstände aufzuholen hatte, war es nicht möglich ein Fangschiff 14 Tage eher als geplant vom Fangplatz zu holen.
Aktionsbeschreibung aus Sicht der Angehörigen Die Angehörigen von uns wussten schon früher von der Teilnahme an der TV-Sendung. Mitglieder von Amateur-Filmclubs, die es in allen Bezirksstädten gab, bekamen den Auftrag Filmszenen im privaten Umfeld der Besatzung zu drehen. Bei mir waren es Mitglieder eines Magdeburger Filmclubs. Nach den Aufnahmen in unserer Wohnung waren die Filmamateure noch nicht zufrieden und fragten nach einer Freundin, die ich derzeit aber nicht hatte. Deshalb kam mein Freund Otto ins Spiel. Otto schilderte mir die Aktion nach der Reise wie folgt: Es klingelte bei ihm und er sah an der Vorgartentür zwei unbekannte Herren stehen. Er ging zur Tür und wurde gefragt, ob er Hubert Klühe kennt. Otto bestätigte und wurde gefragt, ob man sich über das Anliegen mal in der Wohnung unterhalten könnte. Otto willigte ein und hatte auf dem Weg in die Wohnung nur noch einen Gedanken: „ Die Herren sind von den Papplöffeln (Spitzname für Stasi Leute) und Klühe ist im Ausland abgehauen?“ In der Wohnung klärte sich dann alles auf. Die Amateure holten ihre Filmausrüstung, Kamera, Stative, Scheinwerfer, Kabel, Mikrofon, danach wurden Möbel gerückt und Szenen ausgeleuchtet. Es dauerte alles seine Zeit, denn die Amateure wollten ja eine gute Arbeit beim Fernsehfunk abliefern. Am 02. Mai 1970 fand die Sendung „Mit dem Herzen dabei“ im Dresdner Kulturpalast statt. Dieser war gerade neu erbaut und es war eine der ersten Veranstaltungen in diesem Gebäude. Die Angehörigen der Besatzung wurden zur Sendung eingeladen. Die Moderation dieser Sendungen hatte Hans-Georg Ponesky. Die Sendereihe diente hauptsächlich zur Anerkennung von Leistungen, die vom allgemeinen Arbeitsleben abwichen. Dort sahen sich z. B. plötzlich Familien von Auslandsmonteuren nach langer Trennung wieder u. a. m.. Unseren Angehörigen hatte man zwar auf unsere Abwesenheit vorbereitet, aber richtig geglaubt haben es die Frauen auf Grund der bekannten Sendung nicht. In der Sendung ging es hauptsächlich um Ereignisse mit sowjetischen Freunden. Von ROS 403 wurde lediglich etwas erwähnt und Filmszenen des FS-Teams vom Fangplatz wurden gezeigt. Wir liefen 14 Tage später in Rostock ein, hatten die Einladung für Dresden schon dabei und waren alle froh, dass uns der Auftritt im Fernsehen erspart wurde. Die ganze Aktion lief wahrscheinlich ohne großen Einfluss unserer Betriebsleitung, irgend „jemand“ fand es mal gut, Hochseefischer ins Fernsehen zu bringen. ROS 403 war zu dem Zeitpunkt nicht unter den besten Fängern zu finden und die Besatzung war auf Grund der geschilderten Umstände auch kein Stamm Kollektiv. Das Einzige, was ROS 403 in die Sendung gebracht hatte, war der Einlauftermin, der aber nicht zur Sendung passend genehmigt wurde.
Nun zum Aufenthalt der Besatzung von ROS 403 in Dresden: Da ich ledig war, aber zwei Personen auf meiner Einladung standen, nahm ich Otto mit, weil er geduldig die Filmerei ertragen hatte. Wir haben dann schöne Tage in Dresden erlebt, mit interessanten Veranstaltungen, kostenloser Bahn Anfahrt und Spesen vom Fernsehfunk gab es auch. Großen Anteil am Gelingen dieser Tage hatte der spätere TV-Moderator Hans-Joachim Wolfram. Er betreute uns bei allen Veranstaltungen und führte uns als gebürtiger Dresdner mit guten Kenntnissen der Stadtgeschichte durch seine Heimatstadt. Zum Beginn der Einladung der Stadt Dresden gab es Sekt auf dem Rathaus Turm mit Rundblick über die Stadt. Den genauen Ablauf der Tage kann ich nicht mehr wiedergeben, an die Bedeutung der Schlüssel aus den Blechdosen erinnere ich mich aber noch: 1. Bordschlüssel Monitorbedienung an Bord von ROS 312 2. Bastei Hotel Bastei in Dresden 3. Verkehrsmuseum Besichtigung, Stadtrundfahrt mit historischer Straßenbahn 4. Dresdner Zwinger Besichtigungen Gemäldegalerien und Grünes Gewölbe 5. Glashütter Uhrenbetriebe Fertigung von Uhren mit Nordatlantik-Design für die Besatzung 6. MS „Ernst Thälmann“ Ausstattung eines Bordfestes auf der Elbe 7. Radeberger Exportbrauerei Lieferung von Bier zum Bordfest Spontan, d. h. "ungeplant" schlossen beide Schiffsbesatzungen beim Bordfest einen Patenschaft Vertrag ab, der u. a. die gegenseitige Benutzung von betrieblichen Ferienobjekten beinhaltete. Wir waren in der Sächsischen Schweiz willkommen und die Binnenschiffer in Rostock. Dresden war schon immer eine sehenswerte Stadt und wird mit seiner heutigen Ausstrahlung immer ein Anziehungspunkt für Touristen aus aller Welt bleiben, auch ohne "Weltkulturerbe".
Foto © by H. Klühe Foto © by H.- G. Weil Foto © by H.- G. Weil Foto © by H.- G. Weil
Hans-Georg Weil war bei der TV-Aktion 1970 auf ROS 312 und machte drei Fotos vom Team des DFF.